Unsere Welt wird zunehmend digital.

Bankgeschäfte werden mit dem Smartphone erledigt, photogeshopte Models blicken uns überall entgegen, dem Zugbegleiter halte ich nur noch das virtuelle Ticket auf meinem iPhone entgegen. David Hockney, britischer Großmeister der Malerei, malt seit kurzem mit dem iPad. Was bedeutet das für die Malerei? Warum wird noch mit der Hand gemalt?

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Sophia Schama mit der Frage, wie sie den digitalen Ansatz von Photoshop in die analoge Idee der Malerei umsetzen kann und wie diese beiden Konzepte interagieren. Nach wie vor ist das Thema Natur und Technik. Mit Photoshop kann man Motive verändern, hervorheben oder verschwinden lassen. Technik ermöglicht uns die Gestaltung der Welt nach eignen Vorstellungen. Nach einem Regenguss wächst das Gras im Nu, der Rasenmäher verändert das Aussehen des Rasens ebenso schnell wieder.

Hat Schama in ihren Grasbildern die Bildräume noch durch Nebeneinander und Überlagerung von kalten und warmen, hellen und dunklen Farbschichten erzeugt, geht sie seit einiger Zeit einen Schritt weiter. Sie nimmt weg, die Wand hinter den durchscheinenden Folienarbeiten wird zum Bildraum. Wie bei den ganz neuen Arbeiten, wird statt mit Mausklick der Spachtel durch die Farbe der präparierten Leinwand gezogen und hinterlässt nur noch Spuren der aufgetragenen Farbe. Man ahnt das Darunter noch, es ist fast weg und wird damit zum eigentlichen Motiv. Wo im Computer mit ‚delete’ wieder rückgängig gemacht werden kann, was gerade eingegeben wurde und dann wider­rufen wird, wiederholt Schama dies analog mit gerade erzeugten Pinselschwüngen. Die Wischhand erzeugt ebenso rasch wie die digitale Delete-Taste ein neues Erscheinungsbild. Das Wegwischen geht so weit, dass Ränder und Ecken frei bleiben und so räumliche, ja geradezu körper­hafte Gebilde entstehen.

Elly Brose-Eiermann

D|E