Würde man den Titel der Ausstellung

wortwörtlich als „Angelegenheit der Fakten“ verstehen, so wäre man sprachlich zwar fehlgeleitet, im Rahmen der Bilder von Stefan Stößel aber durchaus auf einer nicht gar so falschen Fährte. Die korrekte Übersetzung umfasst eine Spanne von Begriffen wie „eigentlich“, „tatsächlich“, „sogar“ und „um genau zu sein“.

In der Tat eröffnet all dies den Verweis auf eine in einem vordergründigen Sachverhalt verborgene, andere oder eigentliche Deutungsmöglichkeit. Hinter den schemenhaften Motiven der Arbeiten von Stefan Stößel scheinen sich weitere Bedeutungsebenen unserem Blick zu entziehen. Tische, Töpfe, Pflanzen, Kisten, Transportpaletten – säuberlich gestapelt, durcheinander geworfen, ineinander verkeilt oder auseinander berstend – begegnen uns in mannigfaltiger Weise. Oft lässt die Fügung einen Verbund und die Reihung ein Muster erkennen. Während das Nebeneinander Erinnerungen an statistische Abbildungen heraufbeschwören mag, scheint die Ordnung der Dinge auf einer statischen Schichtung zu gründen.

Die abgebildeten Gegenstände verweisen über ihre offensichtliche Spärlichkeit hinaus auf ein komplexes Bedeutungsgefüge aus kunsthistorischen, soziologischen und ökonomischen Bezügen. As a matter of fact ist die konzeptuelle Umkehrung der klassischen kunstgeschichtlichen Gattungshierarchie auch als Kritik an anthropozentrischer Hybris zu verstehen. In einer asketisch reduzierten Formensprache führt Stefan Stößel die Stilllebenmalerei weiter, wobei eine eigentümliche Spannung zwischen der lakonischen Gegenständlichkeit und dem dramatischen Auftritt im meist leeren heroischen Raum entsteht.

Stefan Stößel wurde 1970 in Thüringen geboren. Er studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er 1998 sein Diplom bei Prof. Arno Rink erhielt. Es folgte der Abschluss als Meisterschüler bei Prof. Astrid Klein ebenda. Von 2005 bis 2008 war er als Assistent von Prof. Neo Rauch an der HGB tätig. Stefan Stößel lebt und arbeitet in Leipzig.

D|E