Wenn uns die Dinge im Rückblick häufig schöner und besser als in der unmittelbaren Gegenwart erscheinen, mag dies an einem Schutzmechanismus oder auch der Unzulänglichkeit unserer Erinnerung liegen, welche Gerüche, Bilder und Eindrücke derart verarbeitet und ablegt, dass wir sie auch unter größten Bemühungen nie wieder so zu rekonstruieren verstünden wie der Moment, der sie gebar – somit ist jedes Berichten über Vergangenes ganz unvermeidlich auch immer ein Erfinden von neuen, nie dagewesenen Zusammenhängen.

Diese Beschaffenheit der Erinnerung bildet den Ausgangspunkt der „Bad Fairy Tales“, die Jens Schubert in seinen Druckgrafiken erzählt. Einzelne Erinnerungsstücke formieren sich zu einer vermeintlichen Gesamtheit, deren fragiler Zusammenhalt in dem Augenblick zerbricht, wenn ein anderes Bildelement die Deutungshoheit des Ganzen übernimmt. Hierbei verschwinden anfängliche Details unter immer weiteren Farb- und Erinnerungsschichten, die in ihrer Überlagerung stets Neues zu erzählen beginnen.

Die Vielschichtigkeit der Werke von Jens Schubert ist nicht nur sprichwörtlich. Die angewandte Mehrfachdruckechnik verleiht seinen Bildern eine tatsächliche Tiefe und Plastizität, welche die in Teilen entstehende Unkenntlichkeit ganz bewusst provoziert. Die Bilder verweigern eine eindeutige Lesart und letzendliche Aufschlüsselung des Dargestellten und offenbaren die Möglichkeit einer Bedeutung gerade in ihrer Uneindeutigkeit.

Jens Schubert wurde 1983 im Erzgebirge geboren und studierte Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit Oktober 2009 besucht er die dortige Meisterklasse bei Prof. Annette Schröter.

D|E