In aller Stille liegt sie da –

eine Lichtung im Wald, deren ehemalige Bedeutsamkeit sich durch die Bauten einer zurückliegenden Moderne erahnen lässt. Die Sonne scheint steil und hell auf die verlassene Szenerie, die allmählich von der Natur zurückerobert wird. Und obwohl die Verwilderung unverkennbar voranschreitet, erweist sich die Substanz dauerhafter als erwartet.

Mit Lost in Transition führt uns Christian Thoelke zu den Überbleibseln einer abwesenden Gesellschaft, deren Schauplätze am Ende weder aufgebraucht waren noch die Zeit zum Verfall gehabt hätten. Vielmehr verweilen sie in einem Zustand des Übergangs, dessen Ausgang offengehalten ist. Sowohl die komplette Besitzergreifung durch die Natur als auch eine Ausbesserung und Wiederentdeckung durch den Menschen scheinen im Bereich des Möglichen.

In den aktuellen Arbeiten Christian Thoelkes stellt die Verortung seiner Arrangements inmitten der Natur einen Verweis auf die romantische Landschaftsvorstellung zu Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Doch während die Romantik als Folge der Aufklärung neue gesellschaftliche Utopien und Wertvorstellungen vor allem in einem trans­zendentalen Naturerleben zu finden hoffte, bieten die Ruinen der Neuzeit ein widerständiges Potential, das sich bei genauerer Betrachtung als übereilt zurückgelassen erweisen könnte.

Christian Thoelke (*1973) lebt und arbeitet in Berlin. Nach seinem Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee besuchte er von 2001 – 2003 die Meisterklasse von Prof. Ulrich Hachulla an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

D|E