Schöne Menschen, durchgestreckte Körper,

heroische Szenerien. Die Schwarz-Weiß-Fotografien von Marc Erwin Babej erinnern nicht zufälllig an die Ästhetik des dritten Reiches. Bewusst greift der deutsch-jüdische Fotograf die Bildsprache und Sujets der Nazipropaganda auf und inszeniert deutsche Staatsbürger entsprechend den Aufnahmen Leni Riefenstahls zur NS-Zeit.

Die Serie Mischlinge provoziert. Darf man eine Ästhetik rezipieren, deren Geschichte mit einem menschenverachtetenden System derart verbunden ist? Wer ist eigentlich gemeint, wenn von „den Deutschen“ die Rede ist? Überschreitet die Offenlegung der DNA seiner Protagonisten die Grenze zum Voyeurismus?

Unter den Porträtierten finden sich Nachfahren von Opfern des Nazi-Regimes, von Massenmördern, von Mitläufern, von Nazi-Gegnern – und von Menschen, deren Vorfahren wohl nie geahnt hätten, dass ihre Familien jemals als deutsch gelten würden. Babej lässt in seinen Aufnahmen die Gegensätze von totalitärer Ästhetik und höchster Individualität aufeinander prallen. Dabei ist es sein Ansinnen, ein positives Deutschlandbild zu schaffen, in welchem unterschiedliche Herkünfte als Bereicherung und nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Hierbei zeigt er auf, dass das vermeintlich Fremde nicht selten aufs Engste mit dem eigenen Sein verbunden ist.

Marc Erwin Babej (*1970 in Frankfurt / Main) lebt in New York City. Seine Fotoarbeiten wurden in Ausstellungen in Amerika, Europa und Afrika präsentiert. Mit der Eröffnung zum Jahresrundgang in Dresden erlebt die Serie Mischlinge ihre Ausstellungspremiere, ehe sie international in Museen und Galerien zu sehen sein wird.

D|E