Niemand wartet gerne – sei es auf eine wichtige Nachricht, eine günstige Gelegenheit oder einfach nur besseres Wetter. Ungewollt finden wir uns täglich in der Situation wieder, das eigentliche Ziel unseres Handelns und Wünschens erst im Überbrücken der Zeiten zwischen dem angestrebten Leben zu erreichen. Eingeübte Rituale und Handlungsmechanismen sowie räumlich manifestierte Orte des Wartens wie der Bahnsteig, die Ampel oder das Wartezimmer begleiten und regulieren hierbei unsere scheinbar nutzlose Tätigkeit.

Ausgehend vom Ort des Wartezimmers beschäftigt sich der junge Künstler Christian Rätsch mit der Allgegenwart des Wartens. Die Ausstellung wird Teil der realen Praxis und reflektiert dem wartenden Patienten sein eigenes (Nichts-)tun.

Fünf Köpfe hängen an der Wand. Teilnahmslos blicken die abgelichteten Gesichter in den Raum und suchen in ihrem starren Blick doch keinen Dialog zum anvisierten Gegenüber. Der neutralisierte Hintergrund entrückt die abgebildeten Personen ihrer tatsächlichen Situation und die Fotografien verwandeln sich im Anblick zur eigenen Projektion des Betrachters. Das Wartezimmer wird Ausstellungsraum, welcher in der Betrachtung wiederum selbst verschwindet und Warteraum wird.

Während die Fotografien den Wartenden in einem einzigen Augenblick festhalten und hierdurch den Moment in die Unendlichkeit projizieren, zeigen die Videoarbeiten täglich wiederkehrende Rituale in ausgedehnt langsamer Slowmotion. Das Dargestellte ist uns vertraut und entbehrt jeglicher überraschender Wendung. Vielmehr steigert die zeitliche Ausdehnung der aufgezeichneten Unwichtigkeiten den realen Moment des Wartens, welcher erst durch den Aufruf ins Sprechzimmer seine Auflösung findet.

D|E