Mit Propaganda

bezeichnet man zielgerichtetes Reden und Agieren, welches dem Gegenüber eine Meinung, Sichtweise oder Schlussfolgerung nahe bringen oder besser noch zu Eigen machen möchte. Zurückgehend auf die 1622 gegründete Sancta congregatio de propaganda fide, die sich die Evangelisierung der damaligen „Neuen Welt“ zum Ziel gesetzt hatte, wurde der Begriff über die Jahrhunderte in der uns heute gängigen Bedeutung in den Sprachschatz eingegliedert. Und so gleicht das Hauptwerk der präsentierten Arbeiten, welches der Ausstellung ihren Titel verleiht, gleich dem verführerischen Versprechen einer anderen, ja einer besseren Welt – einer fernen und sehnsüchtigen Landschaft, die sich erdig und fruchtbar vor uns auftut. Eine Landschaft, deren satte Farbigkeit gleichsam fremd und doch vertraut erscheint, so dass man gewillt ist, den lehmigen Boden riechen zu können und das Rauschen des stürzenden Wassers zu hören. Während die Berge noch im goldwarmen Licht der Sonne glänzen brauen am Himmel sich schon die Wolken zusammen. Der Eindruck von Ruhe schwindet und plötzlich sieht man, wie fleckig und grob hier Farben aufeinander stoßen, die uns eben noch klar und deutlich als Felder, Bäume oder Wiesen erschienen.

Landschaften bilden das Hauptsujet in den Gemälden von Denise Richardt. In ihren Kompositionen aus Linien, Flächen, Formen und Farben setzt die Künstlerin den Bildaufbau in Bewegung und fordert den Betrachter suggestiv zur Deutung des Dargestellten auf. Artifizielles wird Natur und Fragmente formulieren ein Ganzes, ehe sie hernach in Farbe zerfallen. Wenngleich die Motivwahl die klassische Gattung der Landschaftsmalerei fortschreibt, emanzipieren sich Farben und Pinselstriche von der Pflicht des rein Abbildenden und werden zu eigenständigen Akteuren. Mit ihren Bildern spricht Richardt in eigener Sache – und so ist Propaganda fide auch ganz konkret als Appell für die Malerei zu verstehen, die jenseits zeitgenössischer Medienvielfalt als eine der wichtigsten und lebendigsten Kunstformen besteht.

Denise Richardt ist 1972 geboren und studierte Kunst an der Hochschule Berlin-Weißensee sowie der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Als Meisterschülerin bei Prof. Dieter Goltzsche erhielt sie 1999 ihren Abschluss. Unterschiedliche Stipendien ließen sie in Frankreich, Deutschland und Italien ihre Studien vertiefen. Nach diversen Ausstellungen in Deutschland und Italien sind ihre Arbeiten nun erstmals in Dresden zu sehen.

D|E