Das Malen von „Bildern von Bildern“

ist nicht das primäre Anliegen Michael Klipphahns, obgleich auch er Bilder von Bildern malt und dabei eine surreale Überwirklichkeit des Malerischen erzielt, die virtuos zwischen Hyperrealismus und den Möglichkeiten des Trompe-l’œil hin und her switcht — Täuschung und Verheißung zugleich.

Klipphahn, der noch 2012 bei seinem Diplom an der Hochschule für Bildende Künste Dresden mit übergroßen schematischen und starkfarbigen Figurendarstellungen in Erscheinung trat, zeigt nun mit „Resist or Serve“ eine Weiterentwicklung, vielmehr eine Transformation seiner Bildwelten. Beinahe scheint es, als hätte ihm die Zweidimensionalität, die Endlichkeit des Bildträgers nicht mehr gereicht, wenn er neben Arbeiten auf Papier auch Plastik ausstellt.

Zwischen Kitsch und Accessoire, Selfie-Kult und Wohndekor ist der fein komponierte, szenografisch eingerichtete Ausstellungsraum nicht surrealer Overkill, sondern Angelpunkt seiner künstlerischen Praxis, die sich dem Erkunden von Intimität und sozial konnotierten Attributen der Jetzt-Zeit verschreibt. Gender und Sex, die vermeintliche Zuschreibung von Geschlechtlichkeit spielen dabei zwar eine Rolle, vielmehr geht es Michael Klipphahn allerdings um eine Choreografie von Körperlichkeit, für die er in seinem Ausstellungsinterieur eine Entsprechung sucht. In barocker Manier wird Tafelbild und Plastik in eins gesetzt, eine intendierte Auflösung der Gattungen findet in der umfassenden Raumkonzeption ihr künstlerisches Abbild.

Gwendolin Kremer

Klipphahn wurde 1987 in Riesa geboren und studiert seit 2006 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, seit 2012 als Meisterschüler von Ralf Kerbach und von 2010 bis 2013 als dessen Assistent. Klipphahn hat bereits eine ganze Reihe von Stipendien erhalten, unter anderem ein Reise- und Aufenthaltsstipendium nach Utrecht/Niederlande sowie diverse Projektstipendien.

D|E