Betrachtet man die aktuellen Druckgrafiken

des Leipziger Künstlers Stefan Stößel, so sieht man etwas rätselhaft Vertrautes. Dabei sind es weniger die zu Stillleben arrangierten Abbildungen von Transportpaletten und diversem Gemüse, welche uns grübeln lassen. Ein zweiter Blick offenbart schnell: Es ist die Technik – keine Malerei, sondern das Prinzip des Stempel- und Kartoffeldruckes erinnert uns in eigensinniger Weise an unsere Kindheit.

Traditionell zum Abdrucken von Eignerzeichen, Schriftzügen oder zur Vervielfältigung von Mustern verwandt, schätzt Stößel das Stempeln nicht nur wegen seiner formalen Strenge. Ähnlich einem kleinen Druckstock ausgeführt, bilden die Stempel, die seinen Arbeiten zugrunde liegen, jedoch das Utensil, um Druckgrafik im Werkprozess in ein Unikat zu transferieren. Schemenhafte Motive treffen hier auf buchstäblich naturalistische „Abdrücke“ von Alltagsgegenständen. Die Kombination genormter Wiederholungsprinzipien einerseits mit biologischen Formen andererseits lässt eine konkret-konstruktive, teils amorphe Kunst zwischen Realismus und Abstraktion entstehen. Seinem ernsthaften Spiel entwachsen so bei asketischer Reduktion von Form und Inhalt poetische Blätter von stiller Heiterkeit.

Stefan Stößel wurde 1970 in Thüringen geboren. Er studierte bis 1998 bei Prof. Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und legte dort sein Meisterschülerstudium bei Prof. Astrid Klein ab. Stefan Stößel lebt und arbeitet in Leipzig.

D|E